Das Bild der Vogelspinne ist von Fehlinformationen geprägt.

Pfui, Spinne? - Vogelspinnen als Haustiere

Hallo Ilse,
mein Freund möchte sich eine Vogelspinne anschaffen. Ich habe mit Spinnen kein Problem und würde damit einverstanden sein. Denke ich zumindest, allerdings hatte ich auch noch nie wirklich Kontakt zu Spinnen. Kannst du uns Tipps zur Haltung geben?
Viele Grüße

Hallo Julia,
pfui, Spinne! Alleine das Wort löst bei vielen Menschen Unbehagen aus. Der Gedanke an lautlos krabbelnde „Viecher“, die sich haarig und huschend in den Ecken herumdrücken und da Gott weiß was für Unwesen treiben lässt so manchem die Nackenhaare aufstellen. Hier spricht man von Arachnophobie, der Angst vor Spinnen (von der ich selbst betroffen bin). Arachnaphobie scheint zunächst eine unbegründete Angst, denn rein objektiv gesehen ist die Spinne ein Freund des Menschen – entsorgt sie doch sonstiges Ungeziefer. Würden Spinnen keine Insekten fressen würden diese unsere Felder und Gärten kahl fressen und uns würden im Sommer noch mehr Mückenstiche plagen.

Die Frage nach der Angst vor Spinnen sollte bei euch jedenfalls geklärt sein, bevor ihr euch ein Tier eine Vogelspinne anschafft. Kannst du dich von dieser Angst freisprechen?

Es gibt viele Theorien zur Ursache von Arachnophobie

Spinnen treten oft unerwartet und plötzlich in unmittelbarer Nähe auf und ihre schnellen und unvorhersagbaren Bewegungen sorgen für eine natürliche Abneigung. Vierbeinige Tiere wie Hunde oder Katzen nutzen ihre Mimik und Körpersprache, um sich auszudrücken. So können wir Menschen sofort in ihrem Verhalten deuten, was das Tier gerade empfindet. Bei Spinnen können wir das nicht sehen, was sie unberechenbar macht.

Hinzu kommt die Komponente „Ekel“ wegen ihrer äußeren Erscheinung. Ist es vielleicht der Ekel, der den Wunsch nach einer Vogelspinne bei deinem Freund auslöst? Vielleicht will er nur ein „besonders besonderes“ Haustier haben?

Es gibt auch eine weitere Theorie, die den Auslöser für Arachnophobie in unserer christlichen Erziehung sieht. Die Spinne stand zu Zeiten der Pest in den Köpfen der Menschen stets mit dem Teufel im Bunde.

Weiterhin kommt noch das hinzu, was wir von unseren Eltern gelernt haben. Wenn Vater oder Mutter entsprechend negativ auf Spinnen reagiert haben hat sich das auf uns Kinder übertragen – wir wurden darauf geprägt, dass Spinnen nichts Gutes sind.

Letztendlich ist die Ursache aber nicht wirklich geklärt und ihr solltet auf jeden Fall klären, ob ihr euch von dieser Angst freisprechen könnte. Geht in eine entsprechende Zoohandlung und lasst euch beraten. Lasst euch eines der Tiere auf die Hand setzen und macht euch mit dem Tier vertraut. Die Spinne wird es euch später danken, denn sie kann für die Angst am allerwenigsten.

Von der Tarantel gestochen – Vergiftungsgefahr!

Missverständnisse und Falschinformationen prägen das Bild der Vogelspinne. Zunächst ist zu sagen, dass Tarantel und Vogelspinne zwei vollkommen unterschiedliche Spinnenfamilien sind. Ebenfalls stechen die Spinnen nicht (der Volksmund nimmt es in der Regel nicht so genau mit der Wahrhaftigkeit seiner Redewendungen). Vogelspinnen haben kräftige Kiefer und damit beißen sie. Und giftig sind sie auch, allerdings ist die Intensität ihres Gift in Bezug auf den Menschen , mit der einer Biene zu vergleichen. Kleine Tiere tötet die Vogelspinne mit ihrem Gift, den Menschen jedoch nicht. Achtung ist dennoch geboten! Menschen, die Tiergift-Allergien haben können einen lebensgefährlichen Schock erleiden.

Artgerechte Haltung ist das A und O

So wie jedes Tier muss auch eine Vogelspinne artgerecht gehalten werden. Und im Falle der Vogelspinne muss es ein Terrarium sein. In der Regel ist es ein Einzelterrarium, dessen Größe von der Größe des Tieres abhängt. Für große Arten sollte es eine Grundfläche von etwa 30 x 40 cm sein während kleinen Arten, wie der Zwergvogelspinne eine Grundfläche von 30 x 20 cm reichen sollte. Größere Terrarien können natürlich schmuckhafter mit z. B. Pflanzen ausgestattet werden, doch würde das nicht unbedingt etwas am Wohlbefinden des Tieres ändern. Im Gegenzug könnten sich Futtertiere sogar einfacher verstecken. Eine Höhe von 50 cm sollte nicht überschritten werden und bei Tieren, die ausschließlich auf dem Boden leben reichen 20 cm.

Das Terrarium sollte nicht am Fenster stehen, da die Tiere sich bei jeder Sonneneinstrahlung zurückziehen. Ebenfalls könnte durch direkte Sonneneinstrahlung die Temperatur im Terrarium auf über 30 Grad steigen, was die Spinnen austrocknen lassen würde.

Beheizung des Terrariums

Für die Beheizung des Terrariums können Glühbirnen oder Leuchtstoffröhren mit 15 – 25 Watt verwendet werden. Diese dürfen niemals auf dem Boden angebracht werden, da sich dadurch das Bodensubstrat unnatürlich erhitzt und das nicht gut für das Tier ist.

Es kann ein Heizkabel oder eine Heizmatte an der Rückwand des Terrariums angebracht werden. Mit einer Zeitschaltuhr sollte die Heizdauer auf nicht mehr oder weniger als 8-10 Stunden eingestellt werden. Und zur Kontrolle des Klimas im Terrarium sollten alle 2-3 Tage mit einem Hydro-Thermometer die Temperatur und Luftfeuchtigkeit überprüft werden.

Die Temperatur sollte zwischen 24 Grad und 28 Grad liegen und eine Nachtabsenkung auf 20 Grad bis 22 Grad sollte dem Tier gut tun. Fragt hier aber beim Fachhändler nach, denn jede Art kann andere Temperaturen bevorzugen. Genauso ist es um die Luftfeuchtigkeit bestellt. 70 bis 85 % sollten gut sein, aber auch hier gilt: Fragen kostet nichts.

Allgemeine Ausstattung

Stelle in das Terrarium eine Wasserschale, die das Tier nicht umkippen kann. Am besten aus Stein oder Ton. Ebenfalls muss für eine gute Luftzirkulation gesorgt werden. Für die Zuluft sorgt ein Schlitz in der Frontscheibe und die Abluft entweicht durch einen Schlitz in der Rückwand oder in der Abdeckscheibe. Jede Vogelspinnenart benötigt darüber hinaus eine entsprechende Einrichtung. Baumbewohner brauchen einen anderen Standard als Bodenbewohner, fragt hierfür auf jeden Fall euren Fachhändler!

Wenn ihr euer Terrarium bepflanzen wollt solltet ihr auf jeden Fall Pflanzen wählen, die nicht viel Licht brauchen. Geeignet sind hier Efeu, Zierreibe oder auch Moose. Zur Pflanzenpflege dürft ihr nur biologischen Dünger verwenden, damit die Spinne nicht vergiftet werden kann.

Vogelspinnen sind im Vergleich pflegeleicht

Die Vogelspinne ist im Vergleich zu anderen Terrarientieren recht pflegeleicht, da sie sehr genügsam ist. Am Tag sollte man sie nicht unnötig stören, da das für die nachtaktiven Tiere immer mit Stress verbunden ist.

Vogelspinnen fressen lebende Tiere

Das Nahrungsangebot muss nicht abwechslungsreich sein. Gerne frisst eine Vogelspinne kleine Insekten wie Heuschrecken, Grillen, Heimchen oder Fliegen. Ebenfalls stehen Mehlwürmer, Schwarzkäferlarven, Mäuse, Kleinreptilien oder gar Küken auf der Speiseliste. Letzteres ist wohl nur etwas für hartgesottene Spinnenliebhaber, ich selbst könnte keine süßen Küken verfüttern. Wichtig ist, dass nur so viele Futtertiere in das Terrarium gesetzt werden, wie die Spinne in den nächsten Tagen verzehren kann. Wenn die Spinne sich gerade häutet kann es nämlich passieren, dass sie während dieser Zeit von den Futtertieren angefressen wird und dagegen kann sich die Vogelspinne in dieser Zeit nicht wehren. Sie könnte durch die Verletzungen Ausbluten und dann sterben.

Die tägliche Kontrolle

Der Gesundheitszustand der Vogelspinne muss jeden Tag kontrolliert werden. Zeigt sie Krankheitsanzeichen oder gar Verletzungen auf? Müssen übriggebliebene Futtertiere entfernt werden? Liegt die Spinne bei der Häutung auf dem Rücken (für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgen!)

Weitere Pflegemaßnahmen

Alle 2- 3 Tage gilt es, die Wasserschale mit einem Schwamm oder einer Bürste und heißem Wasser zu reinigen. Alles was noch an ungefressenem Futter herumliegt muss entfernt werden. Ebenso gehören Kot und Häutungsrückstände aus dem Terrarium entfernt. Je nach Spinnenart müsst ihr den Boden befeuchten oder gar bewässern und auch die Pflanzen müssen bei Bedarf gegossen oder befeuchtet werden.

Je nachdem, wie schmutzig das Terrarium geworden ist, sind wöchentlich Kotreste und Spinnfäden an den Scheiben mit warmem Wasser abzuwischen. 1 x im Jahr sollte das ganze Terrarium gründlich gereinigt werden. Dazu ist das Tier mit einer Heimchendose einzufangen.

Wenn ihr alle Fragen geklärt habt und euch für eine Vogelspinne als Haustier entscheidet wünsche euch viel Freude an diesem außergewöhnlichen Haustier.

Du weißt es besser oder hast weitere Tipps zu diesem Thema? Dann schick mir gerne deine Anmerkung hier!

Diesen Artikel teilen: