Bonsais haben eine lange Geschichte. Diese Kunst ist eine der Königsklassen in der Pflanzenpflege.

Ein Bonsai ist ein Kunstwerk

Hallo Ilse,
ich war am Samstag mit meinem Freund bei Ikea und habe dort Bonsais gesehen. Ich wollte mir einen kaufen, doch mein Freund sagte, dass die sehr viel Pflege brauchen. Ich habe es dann gelassen. Was muss man bei Bonsais beachten?
Viele Grüße

Hallo Sandro,
Ein Bonsai ist wunderbar. Und es ist immer schön zu hören, wenn ein junger Mann sich für diese florale Kunst interessiert. Denn sie bedeutet nach altem chinesischem Verständnis das Schaffen einer Harmonie zwischen den Naturelementen. Das zeugt von einer Sensibilität, die ich meinem Neffen z. B. mal wünschen würde!

Doch dein Freund hat Recht, ein Bonsai ist nicht von allein ein Bonsai und erst die Kunst seiner Pflege macht sie zu einem. Ebenfalls ist ein Bonsai keine Baumart an sich, sondern viele Baumarten können zu einem Bonsaibaum geformt werden. Dazu eignen sich alle verholzenden, kleinblättrigen, bzw. kleinnadligen Baum- und Straucharten. Ahorne, Wacholder, Mädchen-Kiefer und Ulmenarten sind nur wenige Beispiele. Du pflanzt also keinen Bonsai, sondern einen Baum, der sich zum Bonsai formen lässt.


Afrikanischer Blauregen (Bolusanthus speciosus)

Es gibt Gestaltungsrichtlinien für Bonsais

Bonsais lassen sich aus Samen, Stecklingen und so genannten Findlingen züchten. Findlinge sind junge Bäume, die zu ihrem Zweck ausgegraben werden. Hierbei sollten aber umweltschutzrechtliche Aspekte geklärt werden und du solltest dir die Erlaubnis einholen, bevor du einen Findling ausgräbst.

Für die Bonsaigestaltung gibt es viele Anleitungen und Richtlinien, die teilweise auch widersprüchlich sind. Alle Lininen überschneiden sich aber in einem Punkt: Der Bonsai muss als dreidimensionale Skulptur möglichst wie ein freiwachsender Baum auf den Betrachter wirken. Eben nur in Miniaturformat.

Bonsaikultivierung aus Samen

Willst du bei Null anfangen und dein eigenes Kunstwerk schaffen musst du leider viel Zeit und Mühe investieren. Dafür lohnt es sich aber und du kannst dich später an deiner gelungenen Arbeit erfreuen und stolz auf dich sein!


Roter Fächerahorn (Acer palmatum atropurpureum)

Wir fangen mit einem Kiefernzapfen an

In meinem Beispiel werden wir Kiefer zu einem Bonsai formen. Dazu sammelst du einen Kiefernzapfen ein. Um an die Samen aus dem Zapfen zu kommen lagerst du den Zapfen im Warmen, dann kommen die Samen zwischen den Schuppen hervor. Das Pflanzen der Samen findet dann im Frühling statt. Doch bevor du den Samen in die Erde gibst sollte dieser eine Nacht in einem Wasserglas aufbewahrt werden. Damit testest du seine Lebensfähigkeit und gehst von Anfang an auf Nummer sicher. Sinkt der Samen auf den Boden wird er keimen, schwimmt er jedoch an der Oberfläche solltest du ihn nicht verwenden.

Einpflanzen des Kiefernsamens

Hast du einen geeigneten Samen parat kann‘s auch schon losgehen. Nimm einen ca. 15 cm tiefen Topf, der ein Loch für eine Drainage enthält. Jetzt mischst du feinen Kies und Akadama (Akadama ist eine besondere Lehmart, die du im Fachhandel kaufen kannst) im Verhältnis 1:1. Mit dieser Erdmischung bedeckst du nun ¼ deines Topfes.

Als nächstes mischt du wieder feinen Kies und Akadama, dieses Mal aber mit dem Zusatz von Kompost. Die Mischung beträgt jetzt 2 Teile Kies zu jeweils 1 Teil Akadama und Kompost. Damit füllst du jetzt den Topf bis etwa 3 cm unter den Topfrand.

Jetzt setzt du den Samen in die Erde, möchtest du mehrere Samen setzen sollten diese mit einem Abstand von 2 bis 5 cm eingesetzt werden.

Als letzte Erdschicht streust du eine Mischung aus Akadama und Kompost im Verhältnis 1 zu 1 über die Samen. Jetzt bewässerst du das Samenbett mit ausreichend Wasser. Den Topf mit deinen Samen stellst du nun an einen sonnigen und windgeschützten Platz. Halte das Samenbett stets feucht, aber nicht zu nass. Das Bewässern mit einer Sprühflasche eignet sich hierfür hervorragend. Nach einem Jahr können jetzt die Sprösse einzeln in unterschiedliche Töpfe umgepflanzt werden, dabei solltest du aber einen Teil der alten Erde wiederverwenden.

Bonsaikultivierung aus Setzlingen

Lieber Sandro, auch für Setzlinge wählst du einen 15 cm tiefen Topf mit einem Loch für eine Drainage. Beachte die Erdmischung, die ich unter „Bonsaikultivierung aus Samen“ beschrieben habe, denn die gleiche Erdmischung musst du auch in diesem Fall vornehmen.

Du nimmst jetzt einen gesunden Baumsetzling, der zwischen 5 und 10 cm lang ist und einige Millimeter dick ist. Das Ende eines gesunden Zweiges sollte wunderbar funktionieren. Den Setzling steckst du nun bis zu einem Drittel in die Erde und sorgst für genug Feuchtigkeit des Bodens. Geeignet ist auch hier eine Sprühflasche, denn der Boden darf nicht durchnässt sein. Jetzt noch ein sonniger und windgeschützter Platz und der Baum wird wachsen. Sobald der Setzling viele Blätter entwickelt schneidest du einige davon ab.


Mädchenkiefer (Pinus parviflora)

Bonsaikultivierung mittels Findling

Du kannst aber auch einen bereits angewachsenen, jungen Baum zu einem Bonsai formen. Achte beim Ausgraben darauf, dass sein Wurzelsystem nicht beschädigt wird und sei sehr vorsichtig. Ebenfalls solltest du einen Teil der Original-Erde mitnehmen.

Dann gehst du die Mischung der Erde an. Dazu nimmst du zu 2 Teilen Akadama (siehe oben) und jeweils zu einem Teil die Original-Erde und feinen Kies. Mit dieser Erdmischung bedeckst du gut ¼ eines großen Topfes (ein großer Topf ist wichtig, damit sich das Wurzelsystem optimal ausbreiten kann). Jetzt setzt du deinen Findling in die Mitte des Topfes und füllst den Rest mit deiner Erdmischung auf. Die Bewässerung nimmst du auch in diesem Fall mit einer Sprühflasche vor, um eine Durchnässung zu vermeiden. Auch der Standort ist in diesem Fall wichtig: er sollte sonnig und windgeschützt sein. Lass den Findling ein gutes Jahr wachsen und erst dann beginnst du mit der Formung.

Bonsaipflege und Bonsaiformung

Je nach dem für welchen Baum du dich entschieden hast gibt es verschiedene Gestaltungstechniken. Das ganze Gebiet ist sehr umfangreich und ich kann es hier daher nur anreißen. Auf jeden Fall solltest du dir Fachliteratur anschaffen und genau studieren. Bonsais sind sehr empfindlich und schnell hat meinen Fehler gemacht. Ich gebe die aber gerne eine Liste von Gestaltungsgrundsätzen.

Grundsatz Bewässern

Wenn dein Bäumchen ein Jahr gewachsen ist beginnst du mit der Bonsai-Formung. Die erste Regel dafür ist das richtige Bewässern. Und für diese Regel gibt es keine Regel! Denn jeder Baum muss individuell behandelt werden. Grundsätzlich gilt, dass der Wurzelballen weder austrocknen noch ständig nass sein darf, denn beides wird dem Baum nicht gut bekommen. Du musst also ständig die Erde abtasten, eventuell sogar 2x täglich. Ist die Erde zu etwa 80 % angetrocknet gießt du den Bonsai, ansonsten nicht.

Grundsatz Düngung

Du kannst für die Düngung organischen Dünger verwenden. Das ist vorteilhaft, da eine Überdüngung dadurch leicht verhindert werden kann. Organischer Dünger gibt die Nährstoffe nur langsam an den Baum ab, allerdingst tritt seine Wirkung dadurch auch erst spät ein.

Grundsatz Schneiden

Ein entscheidender Grund für das Kleinbleiben des Bonsais ist der regelmäßige Beschnitt des Wuchs. Das Schneiden dient dabei zur Formung und auch zur Pflege des Baumes.


Japanische Schwarzkiefer (Pinus thunbergii)

Der sogenannte Formschnitt ist das beschneiden von großen Ästen, um den Hauptstamm zu formen. Grundsätzlich darf der Baum nicht beschnitten werden, wenn es draußen noch friert. Sei mit dem Beschnitt von großen Ästen vorsichtig, denn dadurch können tiefe Wunden entstehen. Eine konkave Zange hinterlässt Wunden, die besser heilen können, daher empfehle ich dir ein gebogenes Schneideblatt. Achte auch darauf, dass du niemals mehr als die Hälfte des Grüns entfernst. Entstandene Wunden bestreichst du mit Baumwachs (Fachhandel). Das Baumwachs unterstützt den Heilungsprozess und kann nach einem Jahr wieder entfernt werden. Nach dem Beschnitt stellst du den Bonsai an einer hellen Stelle außerhalb direkt Sonnenlichts. Weitere Schneidetechniken werden in der Fachliteratur beschrieben.

Bedrahten, Spannen, Dehnen

Mit Kupferdraht lassen die Äste des Bonsais in die gewünschte Form biegen. Dabei solltest du ebenfalls sehr sorgsam sein, denn auch hierbei können Verletzungen entstehen, die schnell Teile des Baumes absterben lassen können. Die Drähte werden hierfür um die einzelnen oder mehrere Äste gewickelt - hierzu gibt es viele Methoden, die der Fachliteratur genau beschrieben werden.

Das Spannen ist eine Variante der Bedrahtung. Der Unterschied ist jedoch, dass die Drähte nicht um die Äste gewickelt werden, sondern vertikal nach unten gespannt und am Topf befestigt werden.

Der Blattschnitt

Durch den Blattschnitt können Äste verfeinert oder ein bestimmter Ast verdickt werden. Das Schneiden der Blätter ist ein gefährlicher Eingriff, der den Baum sehr schädigen kann, daher sollten nur richtig gesunde Bonsais an den Blättern geschnitten werden. Wo der Schnitt erfolgt kann nicht grundsätzlich gesagt werden, da es auf den individuellen Baum ankommt. Bein einigen Bäumen darf das ganze Blatt mit einem Teil des Stiels entfernt werden, bei anderen nur ein Teil des Blattes selbst.

Nach dem Blattschnitt sollte der Bonsai nicht direkt in das Sonnenlicht gestellt werden und er muss windgeschützt sein.

Besondere Bonsaiarten

Wie bereits gesagt, werden traditionell am häufigsten Kiefern, Wacholder, Ficus oder verschiedene Ahorn Arten zu Bonsais gezüchtet. Insbesondere im asiatischen Raum erfreuen sich auch Ginkgos einer sehr großen Beliebtheit bei Züchtern. Der Baum besticht durch seine herzförmige Blattform, die ihn zum Symbol des Lebens gemacht hat. Tipps für die Aufzucht eines Ginkgo biloba findest du unter anderem auf www.ginkgo-baum.de. Wenn du den dort zu findenden Anweisungen folgst, brauchst du dich „nur noch“ um die Gestaltung deines Bonsais zu kümmern. Weitere eher seltene und dennoch sehr schöne Bonsais werden beispielsweise aus Fuchsie oder Goldregen gezüchtet. Diese bestechen neben ihrer Form auch durch prachtvolle Blüten, die an diesen kleinen Bäumen besonders zur Geltung kommen.

Ich hoffe ich konnte dir mit dieser kurzen Beschreibung Lust auf einen Bonsai machen oder dich davon überzeugen, dich doch lieber mit weniger pflegebedürftigen Pflanzen zu beschäftigen. Beachte auf jeden Fall meine Buchtipps zum Thema Bonsai, denn die sind Gold wert. Alles Liebe

Du weißt es besser oder hast weitere Tipps zu diesem Thema? Dann schick mir gerne deine Anmerkung hier!

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